Zirkulär, innovativ, glaubwürdig: Die MaxTex-Mitgliederversammlung in Augsburg
Das MaxTex Netzwerk bei Greif Mietwäsche am 15.September 2026
Wie kann hochwertiges Textilrecycling wirtschaftlich funktionieren? Wie lassen sich Nachhaltigkeitsanforderungen in der Praxis umsetze? Und welchen Beitrag können Innovationen, Digitalisierung und Biodiversität für eine zukunftsfähige Textilbranche leisten?
Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Mitglieder von MaxTex bei ihrer Mitgliederversammlung am 15. September 2026 bei Greif Mietwäsche in Augsburg. Die Veranstaltung bot eine gelungene Mischung aus fachlichen Impulsen, praktischen Einblicken, neuen Kontakten und persönlichem Austausch.
Unser herzlicher Dank gilt Greif Mietwäsche für die großzügige Gastfreundschaft und die Einblicke in die betrieblichen Abläufe.
Blick hinter die Kulissen
Zum Auftakt begrüßte Helmut Börner, Geschäftsführer von Greif Mietwäsche, die Teilnehmenden und gab einen Einblick in das Unternehmen. Besonders spannend war der Rundgang am Nachmittag durch die Betriebsabläufe.
Dabei wurde deutlich: Viele Prozesse sind heute bereits teilweise automatisiert. Gleichzeitig bleibt der Mensch unverzichtbar. Auch dort, wo Maschinen sortieren, prüfen und dokumentieren, braucht es weiterhin die Erfahrung und Aufmerksamkeit der Mitarbeitenden. Gerade bei der Qualitätskontrolle ist das menschliche Auge entscheidend.
Dieses Zusammenspiel aus Technologie und menschlicher Expertise lässt sich treffend als „Human-in-the-loop“ beschreiben: Automatisierung unterstützt die Prozesse – die Verantwortung und die finale Bewertung bleiben jedoch an vielen Stellen beim Menschen.
Ergänzend stellte Sven Siebert von Greif Mietwäsche den „Klima Hero“ vor und zeigte, wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Unternehmen praktisch verankert werden können.
Recycling gemeinsam wirtschaftlich denken
Ein zentraler Schwerpunkt der Mitgliederversammlung war ein gemeinsames Recycling-Projekt von Turns, Cibutex, Tell-Tex und MaxTex. Das Projekt verfolgt einen bewusst praxisorientierten Ansatz.
Es geht nicht darum, grundsätzlich zu beweisen, dass Recycling funktioniert. Vielmehr wollen die beteiligten Unternehmen gemeinsam herausfinden, wie hochwertiges Textilrecycling wirtschaftlich funktionieren kann – und wie entlang der gesamten Lieferkette alle Akteure davon profitieren können.
Dafür braucht es die Perspektiven und Erfahrungen verschiedener Beteiligter: von der Sammlung und Sortierung über die Aufbereitung und Fasergewinnung bis hin zur Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle. Nur wenn ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbunden werden, kann hochwertiges Recycling dauerhaft skaliert werden.
Das Projekt lebt deshalb von der Beteiligung der MaxTex-Mitglieder. Unternehmen, die ihre Erfahrungen, Anforderungen oder Anwendungsfälle einbringen möchten, sind ausdrücklich eingeladen, mitzuwirken.
Machen Sie mit und gestalten Sie mit uns die Bedingungen für wirtschaftlich tragfähiges Textilrecycling.
Neue Mitglieder mit innovativen Ansätzen
Auch die neuen MaxTex-Mitglieder nutzten die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen.
Frank Skalicky, Head of Sales DACH bei Livinguard Technologies, gab einen Einblick in die Technologieplattform des Schweizer Materialwissenschaftsunternehmens. Im Mittelpunkt stand die Ausrüstung „Livinguard Better Fresh“, die bereits in einem Pilotprojekt mit MaxTex-Mitgliedern erprobt wird.
Die Ausrüstung verbindet zwei Funktionen: eine biozidfreie und langanhaltende Geruchsneutralisierung sowie eine Verringerung der Mikrofaserfreisetzung während der Nutzung und Haushaltswäsche.
Marie Weedermann stellte als Co-Gründerin das neue MaxTex-Mitglied FAIBRICS vor. Das Unternehmen entwickelt mit dem „FAIBRICS seamguard“ ein KI-gestütztes System zur Echtzeitüberwachung industrieller Nähprozesse.
Nahtfehler und Abweichungen von definierten Qualitätsparametern sollen direkt während der Herstellung erkannt und digital dokumentiert werden. Dadurch können Fehler früher behoben, Reklamationen reduziert und Qualitätsdaten systematisch ausgewertet werden.
Nachhaltigkeitskommunikation und EmpCo
Nach der Vorstellung der neuen Mitglieder widmete sich Thomas Sommеreisen von Scholz & Friends Reputation den Anforderungen der EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumer for a Greener Transition), deren Umsetzung ab dem 27. September relevant wird.
Im Mittelpunkt stand die Frage, was die neuen Anforderungen für die Praxis bedeuten – insbesondere für die Nachhaltigkeitskommunikation im B2B-Bereich. Welche Aussagen sind belastbar? Welche Nachweise werden benötigt? Wo beginnt Greenwashing? Und wie lassen sich Nachhaltigkeitsinformationen verständlich, glaubwürdig und rechtssicher vermitteln?
Mit einem interaktiven EmpCo-Quiz wurden die Teilnehmenden außerdem für typische Stolpersteine sensibilisiert. Dabei ging es nicht nur um sprachliche Formulierungen, sondern auch um die Gestaltung von Nachhaltigkeitskommunikation. Denn Greenwashing kann nicht allein durch Texte entstehen: Auch grafische Elemente, Symbole, Farben und Gesamtaufmachung können einen nachhaltigeren Eindruck vermitteln, als die tatsächlichen Nachweise rechtfertigen.
Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger, Nachhaltigkeitsversprechen präzise zu formulieren, transparent zu belegen und kommunikativ nicht über das hinauszugehen, was Daten und Nachweise tatsächlich tragen.
Biodiversität als Teil textiler Wertschöpfung
Den Abschluss des Tages bildete die Vorstellung des neuen Branchen-Checks für Textilien durch Bettina Faust vom Global Nature Fund. Als neue MaxTex-Partnerin gab sie Einblicke in das Thema Biodiversität und zeigte, warum textile Wertschöpfungsketten eng mit funktionierenden Ökosystemen verbunden sind.
Biodiversitätsrisiken entstehen nicht erst beim fertigen Produkt. Sie betreffen die gesamte Wertschöpfungskette – von pflanzlichen und tierischen Rohstoffen über Wasser- und Bodenressourcen bis hin zu den verschiedenen Produktions- und Verarbeitungsschritten.
Besonders relevant ist dabei die Frage nach Herkunft und Produktionsstandorten. Viele wichtige Rohstoff- und Produktionsregionen der Textilindustrie liegen in Gebieten mit erhöhten Biodiversitätsrisiken. Lieferkettentransparenz ist deshalb eine zentrale Voraussetzung, um Auswirkungen, Abhängigkeiten und Risiken sinnvoll bewerten zu können.
Dabei knüpft der Check an bekannte Unternehmensbereiche an – etwa Materialauswahl und Einkauf, Lieferantenanforderungen, Wasser- und Chemikalienmanagement, Produktentwicklung, Logistik und Kreislaufwirtschaft.
Gemeinsam an Lösungen arbeiten
Geschäftsführerin Sabine Paulsen und Tobias Meier von der Landesvertretung Schweiz informierten außerdem über aktuelle Aktivitäten und Entwicklungen bei MaxTex. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Austausch innerhalb des Netzwerks ist, um komplexe Herausforderungen gemeinsam zu bearbeiten und konkrete Lösungen voranzubringen.
Die Mitgliederversammlung bei Greif Mietwäsche hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen für die textile Nachhaltigkeitsdebatte sind. Fachliche Impulse wurden direkt mit praktischen Erfahrungen verbunden, neue Projekte angestoßen und unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht.
Ob hochwertiges Textilrecycling, innovative Ausrüstungstechnologien, digitale Qualitätskontrolle, glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation oder Biodiversität in der Lieferkette: Die Herausforderungen sind vielfältig. Umso wichtiger ist es, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam ins Handeln zu kommen.
Wir freuen uns auf die nächsten Schritte – und auf viele Maxtex-Mitglieder, die sich am recycling-Projekt und an den weiteren Aktivitäten beteiligen.