MaxTex Stellungnahme – EPR Eckpunktepapier
Für eine differenzierte Ausgestaltung der Herstellerverantwortung
Mit dem vorliegenden Eckpunktepapier zur erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien setzt die Politik einen wichtigen Impuls für mehr Kreislaufwirtschaft. Für MaxTex ist dabei entscheidend, dass die künftigen Regeln nicht nur auf die Herausforderungen der Fast-Fashion-Branche reagieren, sondern auch die besonderen Anforderungen von Berufs- und Arbeitsbekleidung sowie anderen funktionalen B2B-Textilien berücksichtigen.
24.April 2026:
Dieses Statement des Verbands MaxTex nimmt Bezug auf das Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien. MaxTex ist der Verband für nachhaltige Textilien und Arbeitsbekleidung und setzt sich für praxistaugliche, kreislauforientierte und wirtschaftlich anschlussfähige Rahmenbedingungen in der Textilbranche ein. Als globales Netzwerk und Vereinigung von Textilherstellern, Konfektionären, Rohstoffproduzenten, Dienstleistern und wissenschaftlichen Institutionen verbindet MaxTex unterschiedliche Akteure entlang der textilen Wertschöpfungskette.
MaxTex begrüßt grundsätzlich die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien, um die textile Kreislaufwirtschaft in Deutschland auf eine tragfähige Grundlage zu stellen. Das Eckpunktepapier setzt wichtige Impulse und gibt einen ersten Orientierungsrahmen für die nationale Ausgestaltung der Herstellerverantwortung, greift aus Sicht von MaxTex jedoch zu stark das Problem der Abfälle aus der (Fast-)Fashion-Branche auf. Für den B2B-Bereich braucht es einen ganzheitlicheren Ansatz, der nicht nur Abfälle vor der Vernichtung bewahrt, sondern auch die Nachfrage nach wiederverwerteten Materialien aktiv stärkt.
Gerade der B2B-Sektor ist geeignet, bereit und willens, den Übergang zu einem stärker kreislauforientierten Modell mitzugehen. Dafür braucht es eine wirksame und praxistaugliche Gesetzgebung, die Orientierung gibt und die richtigen wirtschaftlichen Signale setzt.
- Anwendungsbereich
Berufs- und Arbeitsbekleidung sowie weitere funktionale B2B-Textilien dürfen nicht nur am Rand mitgedacht werden, sondern müssen ausdrücklich in einem klar abgegrenzten Anwendungsbereich berücksichtigt werden. Für diese Produktgruppen sind Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendung und Recycelbarkeit zentrale Kriterien, die in einer differenzierten Regulierung ausdrücklich Berücksichtigung finden müssen.
Gleichzeitig gilt, dass bei funktionalen Produkten häufig Zielkonflikte zwischen Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit entstehen. Materialmixe können für Strapazierfähigkeit, Schutz und längere Nutzungsdauer notwendig sein. Eine gute Regulierung muss diese Realität anerkennen, statt pauschal nur auf Recyclinganteile zu blicken, und sollte zudem Anforderungen zur Energieeinsparung entlang der Nutzungs- und Aufbereitungsprozesse berücksichtigen, etwa durch effiziente Trocknungsprozesse im Textilservice.
- Rolle der Hersteller
Die Rolle der Hersteller sollte über die reine finanzielle Verantwortung hinaus klar beschrieben werden. Es muss transparent geregelt sein, welche operative, organisatorische und informationsbezogene Verantwortung Hersteller tatsächlich tragen und wie sie zur Funktionsfähigkeit des Systems beitragen.
Wichtig ist zudem, dass die erweiterte Herstellerverantwortung wettbewerbsneutral ausgestaltet wird. Die Kriterien und Anforderungen für die Ökomodulation sollten nicht auf Ebene der Organisationen für Herstellerverantwortung entwickelt werden, sondern in einem klaren, einheitlichen Rahmen, der an die Logik der ESPR anschlussfähig ist.
- Rolle der Organisationen für Herstellerverantwortung
Organisationen für Herstellerverantwortung sind zentrale Akteure für Sammlung, Rücknahme und Verwertung. Damit das System funktioniert, müssen ihre Aufgaben und Pflichten klar definiert und auf bestehende, effiziente Strukturen aufgesetzt werden.
Für MaxTex ist entscheidend, dass nicht nur Verwaltung und Finanzierung geregelt werden, sondern auch die Steuerung hin zu einem echten Kreislaufsystem. Dazu gehören transparente Zuständigkeiten, einfache Nachweiswege und eine Ausgestaltung, die auch für KMU praktikabel bleibt.
- Herstellerbeiträge
Es braucht echte Anreize für Ökomodulation. Produkte mit nachweisbarer Langlebigkeit, hoher Qualität, zeitlosem Design, begrenzten Kollektionswechseln und glaubwürdigen Zertifikaten sollten finanziell spürbar besser gestellt werden.
Eine konsequente ökologische Staffelung der Herstellerbeiträge ist dafür unverzichtbar. Beiträge müssen so ausgestaltet werden, dass nachhaltigere Produkte tatsächlich belohnt werden und nicht nur formal erwähnt sind. Die erweiterte Herstellerverantwortung sollte zudem gezielt dazu beitragen, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken und konkurrenzfähige Sekundärrohstoffe für die globale Textilindustrie bereitzustellen.
Sekundärrohstoffe, die nachweislich aus regionaler Erfassung und Aufbereitung stammen, sollten bevorzugt berücksichtigt werden.
- Sammlung von Alttextilien
Das Rücknahmesystem sollte einfach, einheitlich und für Unternehmen gut umsetzbar sein. Unterschiedliche Sammellösungen müssen möglich bleiben, insbesondere auch betriebliche Eigenrücknahmestellen und andere funktionierende Unternehmenslösungen.
Recycling muss preislich attraktiver sein als die reine Entsorgung. Nur wenn die Verwertung wirtschaftlich sinnvoll ist, entstehen stabile Stoffströme und echte Anreize für hochwertiges Recycling.
- Sortierung und Verwertung von Alttextilien
Der Grundsatz muss lauten: Nutzungsdauer und Wiederverwendung vor Recycling. Ein reiner Fokus auf Recyclingfähigkeit oder Recyclinganteile greift zu kurz, wenn Produkte dadurch nicht länger nutzbar bleiben oder ihre Qualität im Einsatz leidet.
Dazu gehören auch klare Vorgaben für Reparatur und Wiederverwendung. Ein System, das Kreislaufwirtschaft ernst meint, muss zuerst die Lebensdauer von Produkten verlängern und erst danach das Recycling betrachten.
Die im Eckpunktepapier vorgesehenen Verwertungsquoten müssen qualitativ ausdifferenziert werden. Eine Gleichbehandlung unterschiedlicher Verwertungswege wird dem Ziel einer echten Kreislaufwirtschaft nicht gerecht; insbesondere dürfen thermische Verwertung, Wiederverwendung, Downcycling und hochwertiges Recycling nicht gleichrangig angerechnet werden.
Es braucht außerdem verbindliche Wiederverwendungsquoten und klar definierte Recyclingquoten. Quoten ohne eindeutige Definitionen und ohne ökologische Steuerungswirkung helfen dem System nicht weiter. Zugleich muss das System praktikabel bleiben, insbesondere für KMU. Deshalb sind einfache, verständliche und einheitliche Nachweise erforderlich.
- Einbindung betroffener Akteure
Ein zentrales Defizit des Eckpunktepapiers liegt darin, dass es vor allem Angebot, Sammlung und Verwertung betrachtet. Ebenso wichtig ist aber die Nachfrage nach wiederverwerteten Materialien. Ohne verlässliche Nachfrage bleiben hochwertige Rezyklate schwer wirtschaftlich vermarktbar.
Hier sollten „Made in Europe“-Ansätze stärker genutzt werden, um gezielt Nachfrage zu schaffen und europäische Kreisläufe zu stärken. Wer den Umbau zur Kreislaufwirtschaft will, muss nicht nur Abfälle erfassen, sondern auch Märkte für Sekundärrohstoffe aufbauen.
Die EPR sollte gezielt dazu beitragen, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken und konkurrenzfähige Sekundärrohstoffe bereitzustellen. Deutschland sollte sich dabei an funktionierenden europäischen Modellen orientieren und von den Erfahrungen anderer Länder lernen. Eine europäisch anschlussfähige Regelung ist für Hersteller, Sammler und Verwerter deutlich sinnvoller als ein nationaler Sonderweg.
MaxTex unterstützt die Zielrichtung des Eckpunktepapiers, fordert jedoch eine deutlich stärkere Differenzierung für B2B-Textilien, wirksame Ökomodulation, eine Priorisierung von Nutzungsdauer und Wiederverwendung sowie einen klaren Fokus auf den Aufbau von Nachfrage für Rezyklate. Nur so entsteht ein rechtlicher Rahmen, der Kreislaufwirtschaft nicht nur verwaltet, sondern tatsächlich ermöglicht.