1.MaxTex Mitglieder Tagung 2026
Mut zum Umdenken für die Textiltransformation
Zwei inspirierende Tage liegen hinter uns: Am 24. und 25. März 2026 trafen sich unsere Mitglieder zur MaxTex-Mitgliedertagung an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach – mit einem Programm, das Mut zum Umdenken machte und konkrete Transformationsansätze in den Mittelpunkt stellte.
Bereits am ersten Tag wurde deutlich, wie wichtig es ist, bestehende Denkweisen zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen. Nach Anreise und Registrierung starteten wir mit einer herzlichen Begrüßung durch Prof. Monika Eigenstetter von der Hochschule Niederrhein sowie der Geschäftsführung und dem Vorstand von MaxTex. Anschließend führten Ebby Shirazi (YNEO/ODG Initiative) und Steffen Frischat (dwarfs and Giants / ODG Initiative) in die Organizational Development Goals (ODGs) ein – ein Rahmenwerk, das Unternehmen bei tiefgreifender Transformation und der Verankerung von Nachhaltigkeit im Kerngeschäft unterstützt. Deutlich wurde: Nachhaltige Entwicklung braucht nicht nur neue Prozesse, sondern vor allem ein verändertes Mindset und den Mut, etablierte Erfolgslogiken zu hinterfragen. Der offene Austausch zeigte, wie entscheidend ein verändertes Mindset ist, um nachhaltige Transformation in der Branche voranzutreiben. Pionierarbeit bedeutet oft, Unsicherheiten auszuhalten und Widerstände zu überwinden. Umso wertvoller ist ein starkes Netzwerk wie MaxTex, in dem Erfahrungen geteilt und Lösungsansätze gemeinsam entwickelt werden.
Im anschließenden ODG-Workshop mit kreativen Bingo-Elementen arbeiteten die Teilnehmenden intensiv zu Hemmnissen, Prioritäten und Wirkungen ihrer Transformationsprozesse. In Kleingruppen wurden konkrete Herausforderungen gesammelt, priorisiert und in Bezug auf mögliche organisationale Hebel diskutiert, die sich an den ODGs orientieren. Immer wieder kam zur Sprache, wie herausfordernd es ist, als Pionier in der Branche voranzugehen – gerade weil Veränderung oft gegen bestehende Routinen, Strukturen und Marktlogiken anarbeitet. Gleichzeitig zeigte der Austausch, wie wertvoll ein gemeinsamer Orientierungsrahmen ist, um nächste Schritte systematisch abzuleiten und Verantwortung für tiefgreifende Veränderungen zu übernehmen.
Beim gemeinsamen Abendessen konnten die Diskussionen nahtlos weitergeführt werden. In entspannter Atmosphäre wurden neue Kooperationen ausgelotet, Erfahrungen zu Transformationsprojekten geteilt und die Frage vertieft, wie jede Organisation ihren eigenen Weg zwischen Ambition, Tempo und Ressourcen finden kann. Der Abend bot die ideale Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, bestehende Beziehungen zu stärken und die Gespräche informell zu vertiefen – ein wesentlicher Bestandteil unserer Zusammenarbeit.
Der zweite Tag knüpfte nahtlos an diese Dynamik an. Nach einer erneuten Begrüßung an der Hochschule stellte Prof. Maike Rabe die „Textilfabrik 7.0“ vor. Das Projekt adressiert die Frage, wie eine zukunftsfähige, möglichst emissionsarme Textil- und Bekleidungsindustrie im Rheinischen Revier aussehen kann und wie Forschung, Industrie und regionale Akteure hierfür zusammenwirken. Für die Teilnehmenden wurde sichtbar, welche Rolle Hochschulen als Reallabore und Partnerinnen für praxisnahe Innovationen in der Textilbranche spielen. Im Anschluss folgte ein Update zu aktuellen MaxTex-Aktivitäten, Projekten und Netzwerkmöglichkeiten – ein kompakter Überblick darüber, wie sich das Netzwerk strategisch weiterentwickelt und wo sich Anknüpfungspunkte für eigene Vorhaben ergeben.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Thema erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilien. GRS Textil, vertreten durch Lea Kirstein, beleuchtete Chancen und Herausforderungen für Unternehmen, ergänzt durch Einblicke in bestehende EPR-Regelungen in Frankreich (Dr. Grischka Nissen) sowie Erfahrungen und Pläne aus den Niederlanden (Cibutex-Plattform mit Hein Barnhoorn). Deutlich wurde, dass EPR nicht nur regulatorische Pflichten mit sich bringt, sondern auch Anreize für zirkuläre Geschäftsmodelle, Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette und neue Serviceangebote schafft.
Im anschließenden Workshop „EPR als Hebel für die Kreislaufwirtschaft im Bereich Workwear“ diskutierten die Teilnehmenden, wie sich diese Anforderungen konkret in der Berufskleidung umsetzen lassen: von der designgerechten Auslegung langlebiger, reparierbarer Produkte über Rücknahme- und Sortierkonzepte bis hin zu neuen Service- und Nutzungmodellen. Anhand praktischer Beispiele wurde deutlich, welche Weichen heute gestellt werden müssen, damit Workwear nicht als Abfall endet, sondern als wertvolle Ressource im Kreislauf bleibt.
Nach der Mittagspause folgte ein Rundgang durch die Hochschule Niederrhein. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in Forschungs- und Laborumgebungen und erlebten, wie technische Innovation, Materialforschung und neue Ausbildungsformate zusammenkommen, um die Textilindustrie der Zukunft mitzugestalten. Mit dem Projekt „Design for Recycling – Entwicklung eines modularen Unisex-Arbeitsbekleidungssystems“ der Hochschule Niederrhein in Kooperation mit MEWA zeigten Anicka Siegert und Diana Wolf, wie sich zirkuläre Prinzipien konkret in Produktentwicklung und Use-Phase übersetzen lassen. Die Anwendung von Design-für-Recycling-Prinzipien, modularen Schnitten und sortenreinen Materialien macht deutlich, wie sich bereits im Entwurf die spätere Wiederverwertbarkeit und Langlebigkeit maßgeblich beeinflussen lässt. Im Anschluss beleuchtete Tobias Meier, MaxTex Schweiz, das Thema Sourcing-Partnerschaften. Diskutiert wurden Anforderungen an verlässliche, langfristige Beziehungen in der Lieferkette, die Rolle von Transparenz und gemeinsamen Nachhaltigkeitszielen sowie die Frage, wie Kooperationen resilienter gegenüber regulatorischen und marktseitigen Veränderungen werden können. Tobias plädierte für Skaleneffekte durch gemeinsames Sourcing und Integration weiterer Wertschöpfungsakteure wie Stofflieferanten oder Produzenten.
Mit einem abschließenden Wrap-Up endete die Tagung am Mittwochnachmittag. Die zwei Tage haben gezeigt, dass der Weg zu tiefgreifender Transformation anspruchsvoll ist – insbesondere für diejenigen, die in ihren Organisationen und in der Branche als Pionierinnen und Pioniere vorangehen. Gleichzeitig wurde spürbar, wie viel Energie entsteht, wenn Menschen ihr Mindset bewusst weiterentwickeln, voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Der offene Dialog, die Bereitschaft zur Veränderung und der Mut, neue Wege zu gehen, sind zentrale Bausteine für eine nachhaltige Transformation der Textilindustrie.
Jetzt kommt es darauf an, die Ideen aus den letzten beiden Tagen weiterzuverfolgen und in konkrete nächste Schritte zu übersetzen. Ein herzlicher Dank gilt der Hochschule Niederrhein als Gastgeberin für die exzellente Organisation, die inspirierende Umgebung und die Einblicke in laufende Forschungsprojekte. Ebenso danken wir allen Referentinnen und Referenten sowie den Teilnehmenden, die durch ihre Offenheit und ihren Gestaltungswillen dazu beigetragen haben, dass diese Mitgliedertagung weit über ein klassisches Programm hinausging und echte gemeinsame Entwicklungsarbeit ermöglicht hat.